Eine Woche vor der Sommersonnenwende ereignet sich die erste von zwei in unseren Breiten beobachtbaren
totalen Mondfinsternissen dieses Jahres. Die Mondbahn kreuzt dabei die Ekliptik an ihrem südlichsten Punkt zwischen
den Sternbildern Schütze und Skorpion. Wenn die Sonne gegen 21:30 untergeht,
geht der Mond bereits total verfinstert
auf. Ein Beobachtungsstandort mit freier Sicht bis zum Horizont in Richtung Süd- Ost ist also unabdingbar, da der
Mond bei Finsternismitte kaum 5° Höhe erreicht. Unsere Grafik zeigt die Phasen; dabei bedeuten
1= Eintritt in den Halbschatten (19:24)
2= Eintritt in den Kernschatten (20:23)
4= Mitte der totalen Phase (22:13)
6= Mond hat den Kernschatten verlassen (00:02)
7= Mond hat den Halbschatten verlassen(01:00)
In der Grafik ist außerdem angedeutet, daß der Mond so gut wie zentral durch den
Kernschatten läuft, was eine sehr
dunkelrote Erscheinung des Erdtrabanten zur
Folge haben wird. Ist es in der fraglichen Vorsommernacht dann auch noch sehr
dunstig,
wird man überhaupt Mühe haben, den kupferroten Lampion zu erspähen. Ein
Feldstecher wird dabei
gute Dienste leisten.
Bekanntermaßen wird es ab etwa Mitte Mai nördlich von 48° geographischer Breite überhaupt nicht mehr richtig dunkel: Für die Astronomen bedeutet das Ausbleiben der sog. astronomische Dämmerung Verzicht auf die Beobachtung der lichtschwächsten Objekte jener Saison. Die Betrachtung des gestirnten Himmels lohnt sich dennoch zu jeder Jahreszeit. Einmal sind es die alljährliche wiederkehrenden Sternbilder des Sommers. Allen vorweg das Dreieck Leier, Schwan und Adler mit den Hauptsternen Wega, Deneb und Atair. Tief im Süden unterhalb des unscheinbaren Bildes des Schangenträger erkennt man mit etwas Mühe die bereits oben erwähnten Sternbilder Schütze und Skorpion. Doch auch kleinere Konfigurationen wie Schild, Pfeil, Delfin, Füllen oder Eidechse haben ihren Reiz. Außerdem schätzen die Besitzer von Teleskopen den Reichtum von Beobachtungsobjekten im Bereich der nur schwach erkennbaren Milchstraße in angenehm temperierten Sommernächten. Fernab von lichtüberfluteten Großstädten locken Kugelsternhaufen, Galaxien, brilliante Doppelsterne und planetarische Nebel mit geheimnisvoll anmutenden Namen. Stellvertretend sei der Eskimo-Nebel NGC 2392 genannt, der sich jedoch im Sommer unseren Blicken entzieht.
Nebenstehendes Foto stellte Roland Pietschmann zur Verfügung. Es entstand im
Februar 2011 an einem 8"/5000mm-
Cassegrain als LRGB-CCD-Aufnahme bei ca. zwei
Stunden Belichtungszeit. Wer diesen Sommer die Planeten beobachten möchte,
kann
dies vornehmlich in der zweiten Nachthälfte tun, denn lediglich Saturn (im Sternbild
Jungfrau) hält die
Stellung zu Sommersanfang jedoch mit zunehmend ungünstiger
Beobachtbarkeit bis Mitternacht. Danach erscheinen Neptun
(Wassermann), Uranus
(Fische), Jupiter (Widder), Mars und Venus (Stier) fast im Stundentakt bis Sonnenaufgang.
In diesem Sommer jährt sich der 575. Geburtstag sowie der 535. Todestag des als
Camillus
Johannes Müller in Königsberg (Unterfranken) geborenen spätmittelalterlichen
Mathematikers, Astronomen und
Verlegers. Der Vertreter des Humanismus der Renaissance
war einer der Wegbereiter des kopernikanischen Weltbildes. Bereits
mit 12 Jahren verfaßte
er astronomische Tabellen und Kalender, die im gesamten damaligen Europa verbreitet waren
und auch von einem Kolumbus (!) benutzt wurden. In Nürnberg hatte er eine Sternwarte und
Werkstatt für
astronomische Instrumente (nebenstehend Astrolab von 1462). Herder bezeichnete
ihn als die "damalige Fackel der
Welt"; der Name Regiomontanus (der aus Königsberg kommende)
erscheint aber erst im Sprachgebrauch eines
Melanchthon (1497-1560). Mit 40 Jahren starb er
vermutlich an den Folgen einer Seuche in Rom.
Zusammengetragen von K.-H. Bohn, BHB- Sternwarte Berlin, unter Verwendung von CYBERSKY 3.3.1 und INTERNET